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Splittermond: Schnellstarter

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  • Verlag Uhrwerk-Verlag
  • Autor(en) Chris Gosse, Tilman Hakenberg, Uli Lindner, Adrian Praetorius
  • Jahr 2014
  • Sprache Deutsch
  • Format Softcover (auch als PDF erhältlich)
  • Seitenzahl 44
  • ISBN
  • Preis kostenlos

1. Übersicht

Der Schnellstarter vom Gratisrollenspieltag 2014 war meine erste direkte Berührung mit Splittermond. Vorangegangene Ankündigungen und Diskussionen hatte ich nur am Rande verfolgt, da mich „ein weiteres High-Fantasy-System“ nicht begeistern konnte. Zu geringfügig schienen die Alleinstellungsmerkmale, um ein neues System zu erlernen. Ob sich Splittermond auf dem durch DSA oder Pathfinder doch recht gesättigten deutschen Markt für Fantasy-Systeme durchsetzen wird bleibt abzuwarten, lässt doch bereits der Schnellstarter erahnen, welche Folgeprodukte und Ergänzungen noch geplant sind für das junge System. Wenngleich mittlerweile bereits der Weltenband sowie das Grundregelwerk erschienen und noch weitere Bände angekündigt sind, bietet der Schnellstarter naturgemäß einen guten Einstieg in ein neues System.

2. Inhalt

Die Einleitung beginnt mit einem kurzen Abriss der Splittermond-Historie welche knapp beschriebt, was es mit dem namensgebenden Splittermond auf sich hat. Ein kurzes Spielbeispiel führt in die Materie eines Rollenspieles ein und ist Pflichtbestandteil eines Heftes, welches sich explizit auch an Rollenspielneulinge wendet.

Die Splittermond-Welt Lorakis wird ebenfalls kurz angerissen. Jede der großen Regionen wird in ein ein paar Absätzen näher beleuchtet, einzig das keltisch angehauchte Tir Durghachan wird etwas ausführlicher beschrieben, dort ist schließlich das Einstigesabenteuer des Bandes angesiedelt. Hinter dem Titel „Die Nacht der Toten“ verbirgt sich ein als One-Shot ausgelegtes Abenteuer, im Rahmen dessen die Charaktere Gast eines ungewöhnlichen Festes werden, und den Spielern einen guten Überblick über die Möglichkeiten und das angestrebte Spielgefühl von Splittermond vermittelt wird. Die Handlung bietet sowohl Gelegenheiten für soziale Interaktion als auch Kampf, sodass jeder Charakter seine Eigenschaften sinnvoll einsetzen kann. Passenderweise besitzt jeder Abenteurer spezielle Fähigkeiten, welche gut zu bestimmten Situationen im Verlauf der Geschichte passen. Über den Inhalt der Handlung soll an dieser Stelle nicht all zu viel verraten werden, nur dass die Anderswelt und ihre Bewohner dabei eine tragende Rolle spielen. Die Anderswelt ist dabei eine magische Dimension, in welcher sich allerlei absonderliche Wesen wie Feen oder Elementargeister tummeln. An einigen Stellen gelangen diese nach Lorakis, an anderen Stellen bieten Mondpfade wie ein Tunnelsystem unberechenbare Abkürzungen zwischen zwei weltlichen Orten, welche durch das Reich der Feen führen und den Launen ihrer Wächterkreaturen unterworfen sind.

Die letzten Seiten umfassen schließlich sieben Beispielcharaktere, um das beiliegende Abenteuer zu bestreiten. Jedem Helden ist eine Doppelseite mitsamt vollfarbigem Ganzkörperportrait und Hintergrundgeschichte gewidmet. Die Klassen (hier Ausbildungen) decken eine große Spanne ab, vom Magier über die Schützin, Einbrecherin und Kämpfer ist alles vertreten, was in einem klassischen Fantasysetting zu erwarten ist. Bei der Charaktererstellung wurde darauf geachtet, den Helden für das Abenteuer nützliche Fertigkeiten mitzugeben, sodass die Spieler in unserer Testrunde stets das Gefühl hatten, etwas ausrichten zu können.

3. Regeln

Die Regeln von Splittermond muten klassisch an. Es gibt eine Unterteilung in Attribute wie Beweglichkeit oder Stärke, daraus abgeleitete Eigenschaften wie Verteidigung und Lebenspunkte, Fertigkeiten (welche sich jeweils aus zwei Attributswerten zusammensetzen), Magie und Talente (hier  Meisterschaften genannt). Proben werden mit 2w10 + Fertigkeitswert gegen einen festgelegten Zielwert abgelegt, wobei es auch darauf ankommt, wie gut bzw. schlecht eine Probe gelingt oder misslingt. Um so mehr Erfolgsgrade (je 3 Punkte Differenz zwischen Schwierigkeit und erwürfeltem Ergebnis) erreicht wurden, um so besser für den Handelnden. Erfolgsgrade äußern sich beispielsweise in Bonusschaden im Kampf, Zeitersparnis bei einer Aufgabe, oder weniger verbrauchte Energie (hier Fokus genannt) beim Zaubern. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, durch den Einsatz von Splitterpunkten (vergleichbar mit FATE-Punkten oder Bennies) Boni auf Proben oder die Rüstung zu bekommen. So hat man als Spieler die Möglichkeit, einem Wurf, der einem wichtig ist, mehr Gewicht zu verleihen.
Das in meinen Augen größte Alleinstellungsmerkmal von Splittermond ist der Mechanismus, mit dem die Initiative abgehandelt wird. Die Zeit im Kampf wird dafür nicht in Runden unterteilt, sondern in Ticks. Ticks sind ein abstrakt gehaltener Zeitbegriff, um die Dauer von gewissen Handlungen im Kampf darzustellen. So dauert es beispielsweise 6 Ticks, um wieder aufzustehen, oder 3 Ticks für einen Fernkampfangriff. Die Zeitkosten werden ihrerseits von Fertigkeiten, Rüstungsbelastung und dergleichen modifiziert. Als Konsequenz daraus findet der Kampf auf einem kontinuierlichem Zeitstrahl statt, auf dem viele Handlungen parallel ablaufen können. Kontinuierliche Handlungen wie beispielsweise das Spannen eines Bogens können unterbrochen werden, andere Aktionen werden sofort abgehandelt und die Zeitkosten im Anschluss bezahlt.
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Wulfhard wartet … und wartet …

4. Aufmachung

Der 44 Seiten starke vollfarbige Schnellstarter hinterlässt einen optisch tadellosen Eindruck. Das Papier weist eine angenehme Dicke auf, das Layout ist klar gestaltet, und die Schrift lässt sich gut lesen. An einigen Stellen werden die gut strukturierten Seiten durch kleine Textkästen aufgelockert, optische Trennelemente sorgen für die nötige Übersicht. Die Illustrationen bewegen sich auf einem guten bis sehr guten Niveau und unterstützen die Beschreibungen ausgezeichnet. Hervorzuheben sind besonders die ausdrucksstarken Ganzkörperportraits der Archetypen.

5. Spielbericht

Für Die Nacht der Toten benötigten wir zwei entspannte Spielsitzungen, mit von der Partie waren Asherah (Kundschafterin), Danuar (Heiler), Vedrana (Diebin) und Wulfhard (Krieger). Keiner von uns war mit dem System bisher bekannt. Sehr gut hat uns die allgemeine Stimmung des Abenteuers gefallen, nach etlichen Ausflügen in andere Genres war es einfach schön, mal wieder „eine Runde Fantasy“ zu spielen. Lorakis fühlte sich sofort vertraut an.
Negativ aufgefallen ist uns das Initiativsystem. Von der Idee her finde ich es interessant, unterschiedliche Handlungen auch unterschiedlich lange dauern zu lassen, um den Kämpfen mehr taktische Tiefe zu verleihen. Während unseres Probespiels führte das Ticksystem zu einem sehr hohen Verwaltungsaufwand, da Aktionen wie „Ich greife den nächsten Gegner mit meinem Bogen an“ nun aufgedröselt werden in Aktion „Bogen Spannen“ (z. B. 9 Ticks beim Kurzbogen) und „Fernkampfangriff“(3 Ticks). Bei kleineren Gefechten kann dabei vielleicht noch die Übersicht bewahrt werden, doch schon beim Kampf gegen nur 4 Widersacher nahm die Buchhalterei dermaßen überhand, dass der Spielfluss dadurch massiv gestört wurde. Hinzu kommt ein eher psychologischer Aspekt des Ticksystems, nämlich dem der Zeit. Wann immer ein Charakter eine Handlung ausführt, wird er dafür mit einer „Auszeit“ bestraft, während der er nicht handeln darf.  So darf beispielsweise ein Kämpfer mit einem Dolch doppelt so oft handeln als Wulfhard mit seinem Speer, welcher dadurch effektiv nur halb so viel am Kampfgeschehen teilhaben kann. Wenn, wie bei den meisten anderen Systemen, die meisten Handlungen im Normalfall nur eine Aktion „verbrauchen“, tritt dieser Effekt nicht auf, da jedem am Kampf beteiligten pro Zeiteinheit eine aktive Beteiligung zusteht. Man kann sich also darüber streiten, ob das Ticksystem realistischer ist als andere Systeme zur Bestimmung der Initiative (falls „Realismus“ bei einem Rollenspiel erstrebenswert ist), mich hat es auf jeden Fall sehr abgeschreckt, für Aktionen mit Zeitstrafen belegt zu werden. Es fühlt sich für mich einfach unbefriedigend an, zur Passivität verdammt zu sein.

6. Fazit

Splittermond ist meiner Meinung nach ein sehr zugängliches Spiel. Die Welt bietet genügend Anhaltspunkte um zu inspirieren, die Anlehnungen an die unsrige lassen sofort Bilder im Kopf entstehen, und selbst ohne Hintergrundkenntnisse seitens der Spieler kann sofort kosgespielt werden. Insgesamt weiß die Welt sehr zu überzeugen und bietet eine gelungene Mischung aus Bekanntem und Neuem. Die sinnvoll gekürzten Regeln des Schnellstarters ermöglichen genügend Abwechslung, überfordern gleichzeitig aber auch nicht. Insgesamt sind die Regeln solide, aber umspannend. Wer innovative Regelkniffe erwartet hat, wird enttäuscht werden.

Der größte Kritikpunkt aus meiner Sicht ist das Ticksystem, welches zum einen den Spielfluss bremst, und zum anderen Spieler unter gewissen Umständen Langeweile bescheren kann. Somit kann ich Splittermond als Regelsystem nur bedingt empfehlen, Lorakis hingegen haben wir länger mit großer Freude bespielt, allerdings mit Savage Worlds Regelsystem. Es ist wohl letzten Endes wie immer eine Frage, was man gewohnt ist, und welchen Spielstil man bevorzugt. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, dem sei das kostenlos erhältliche Grundregelwerk empfohlen.

7. Links

1. Übersicht Der Schnellstarter vom Gratisrollenspieltag 2014 war meine erste direkte Berührung mit Splittermond. Vorangegangene Ankündigungen und Diskussionen hatte ich nur am…

Review Übersicht

Aufmachung
Regeln
Spielspaß

Solides High-Fantasy System mit niedriger Einstiegshürde und kleinen Schwächen.

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About Johannes

Langjähriger Iglubewohner und Mitgründer des Spiele-Iglus. Spielt am liebsten fantastische Brett- und Rollenspiele. Wenn ihr mehr über mich erfahren möchtet, dann schreibt mir doch einfach eine Mail an johannes@spiele-iglu.de

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